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Wort des Pfarrers

Wort des Pfarrers
Wort des Pfarrers
© Pixabay

 

Liebe Gemeindemitglieder in Flörsheim und Hochheim,

liebe Schwestern und Brüder,

 

am 08. März 2008, also vor genau elf Jahren, empfing ich durch unseren damaligen Bischof Franz-Peter im Limburger Dom die Weihe zum Diakon. Noch im gleichen Jahr schloss sich die Priesterweihe an, die im Oktober in Rom stattfand. Nach einer intensiven Zeit der geistlichen Vorbereitung und den Jahren des Studiums war mit der Weihe ein für mich wichtiges Ziel erreicht. Zwei weitere Jahre sollten vergehen, bis ich meine erste Stelle als Kaplan antreten konnte: im Pastoralen Raum Limburg und in der Dompfarrei St. Georg. Es waren bewegte Zeiten, in denen ich meinen Dienst in der Domstadt antrat – und es sollte so bleiben, bis ich am 01.09.2013 in das Amt des Pfarrers im Pastoralen Raum Flörsheim eingeführt wurde. In den letzten fünfeinhalb Jahren haben wir hier gemeinsam viel bewegt: zusammen als Pfarrei mit vier lebendigen Kirchorten, im Pastoralteam, in den synodalen Gremien und als so viele ehrenamtlich engagierte Christen.

 

Doch als Christen und als Pfarrei spüren wir den Wandel in unserer Gesellschaft, der sich kontinuierlich fortsetzt und auch Auswirkungen auf die Kirche hat. Ebenso sehen wir uns als Kirche und Gemeinde mit Situationen konfrontiert, die uns erschüttern oder die uns aus bisherigen Strukturen herausrufen und Veränderungen notwendig machen: der Missbrauch beschäftigt uns auf weltkirchlicher Ebene, der Prozess der Kirchenentwicklung auf Ebene des Bistums und der Pfarrei. Als gravierenden Einschnitt in unsere pastorale Planungen und Visionen kam zuletzt der Weggang von Pfarrer Schmidt, der für mich die Pfarrverwaltung der Hochheimer Pfarrei als neue Aufgabe brachte. Dieser Herausforderung haben wir uns als Pfarreien in Hochheim und Flörsheim bereitwillig gestellt und in verschiedenen Bereichen eine gute und verlässliche Zusammenarbeit geschaffen, die uns ermutigend in die Zukunft blicken lässt. Ich bin allen dankbar, die sich konstruktiv und mit viel Aufmerksamkeit für unsere Pfarreien engagieren und vor Ort der Kirche ein Gesicht geben.

 

Wenn ich auch vor elf Jahren den Entschluss zu einem Leben als Priester mit bereitem Herzen getroffen und in die Versprechen vor meinem Bischof gelegt habe, so haben mich doch in all den Jahren auch Anfragen und Zweifel begleitet. In Exerzitien und in fachlicher Begleitung habe ich mich den Fragen gestellt und nach Antworten darauf gesucht, meine Zweifel im Gebet auch vor Gott gebracht. Doch in den letzten Jahren, unter dem Eindruck der Verantwortung, die ich als Priester und Pfarrer für Kirche und Pfarrei habe, sind diese immer drängender geworden. Vor allem die Frage nach der Lebensform des Priesters, nämlich in der frei gewählten Ehelosigkeit des Zölibats, hat mich dabei bewegt. Wer von Ihnen den Bericht des ZDF gesehen hat, hat sich einen Eindruck verschaffen können, was in mir vorgeht und was mich beschäftigt. In Predigten habe ich sehr offen von dem erzählt, was mir auf der Seele und am Herzen lag, in einer Haltung, die der Apostel Paulus treffend beschreibt: „Wir waren euch zugetan und wollten euch nicht nur am Evangelium teilhaben lassen, sondern an unserem Leben; denn ihr wart mir sehr lieb geworden“ (vgl. 1 Thess 2,8).

 

Gerade aufgrund dieser Zuneigung zu Ihnen und in der Ehrlichkeit gegenüber Ihnen und mir selbst habe ich eine Entscheidung getroffen, über die ich Sie heute informieren möchte; zeitgleich wird dies auch durch den Personaldezernenten Domkapitular Georg Franz in Hochheim bekannt gegeben.

 

Ich habe Bischof Georg Bätzing in einem persönlichen Gespräch um Beurlaubung vom priesterlichen Dienst gebeten, um für mich der Frage der Lebensform des Zölibats nachzugehen. Diese Beurlaubung tritt mit dem morgigen Tag, mit dem 11.03.2019 in Kraft.

 

Da die beiden Pfarreien in Flörsheim und in Hochheim vor wichtigen Entscheidungen stehen, im Hinblick auf die gemeinsame Fusion und Gemeindewerdung, braucht es für die Gemeinden eine klare Perspektive, wie es weitergeht. Daher habe ich mit der Bitte um Beurlaubung meinen Verzicht auf die Pfarrstelle in Flörsheim erklärt und um Entpflichtung als Pfarrverwalter in Hochheim gebeten. Die Pfarrei St. Gallus in Flörsheim sowie die Pfarrei St. Peter und Paul in Hochheim werden demnach formell zur Wiederbesetzung ausgeschrieben werden.

Bis zur dieser Wiederbesetzung wird Pfarrer i.R. Franz Lomberg als Pfarrverwalter eingesetzt, der die Zeit dieses Übergangs moderieren und mit seinen Diensten als Priester begleiten wird. Dies alles bedeutet schließlich aber auch, dass dieser Gottesdienst der letzte Gottesdienst war, den ich mit Ihnen als Pfarrer gefeiert habe.

 

Ich bin mir bewusst, was ich Ihnen jetzt zumute. Es ist mir in den letzten Wochen sehr schwer gefallen, die innere und äußere Balance halten zu können, nachdem ich mit den Verantwortlichen in Limburg gesprochen und nach und nach mein Team informiert habe. Dankbar bin ich für die vertrauensvollen Gespräche, die ich mit Bischof Georg, Personaldezernent Franz und bereits mit Pfarrer Franz Lomberg habe führen können, ebenso auch für die angebotene Unterstützung. Ich bitte Sie daher um Ihr Verständnis und um Ihren wohlwollenden Respekt vor dieser Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist. Ich bin mit Leib und Seele Priester und würde den Prozess der Gemeindewerdung hier am Main gerne mit Herzblut begleiten. Ebenso würde ich der Kirche gerne dabei helfen, die Umbrüche dieser Zeit zu einem wirklichen Aufbruch auf Christus hin zu gestalten. Aber meine eigene ‚Baustelle‘ macht es mir nicht möglich, die Kraft dazu aufzubringen. Mir sind dazu in Zeiten der Meditation immer wieder die Worte eines chinesischen Christen eingefallen, der betete: „Herr, erwecke Deine Kirche und fange bei mir an. Herr, baue Deine Gemeinde und fange bei mir an“. Daher muss ich mir selbst und meinem Leben einen neuen Anfang ermöglichen, weshalb ich jetzt diesen Schritt gehe und eine Zeit des Nachdenkens dafür nutze, die mir der Bischof jetzt gibt. Ich werde noch ein paar Tage da sein und dann aus Flörsheim wegziehen.

 

Im Rückblick auf die Zeit als Pfarrer hier in Flörsheim und die Monate als Pfarrverwalter in Hochheim kann ich nur aus tiefstem Herzen Dank sagen: für das gemeinsam Erlebte und Erlittene, für das von uns allen Erarbeitete und uns Geschenkte, für Lachen und Weinen, für die Begegnungen und die Erweise von Sympathie und Zuneigung sowie für die konstruktive Kritik, mit der mein Arbeiten begleitet war.

 

Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen im Pastoralteam, den Sekretärinnen sowie dem Sekretär in den beiden Pfarrbüros, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kindertagesstätten, in den Sakristeien, Gemeindezentren und Einrichtungen der Pfarrei. Ebenso danke ich den Mitgliedern in den synodalen Räten: Pfarrgemeinderat, Ortsausschüssen, Verwaltungsrat und Ortsteams. Ich danke allen, die in der Feier der Liturgie Aufgaben übernommen haben, bei den Ministranten angefangen bis zu den Kirchenmusikern und Musikgruppen. Meine Dankbarkeit gilt auch den vielen pfarrlichen Gruppen und Ausschüssen und ebenso den Vereinen, die sich der Fastnacht widmen.

 

„Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er werden bei dir neu.“ So werden wir es zum Abschluss des Gottesdienstes singen. In dieser Haltung des Gottvertrauens und der Zuversicht sag ich Ihnen allen Dank und ‚Adieu‘.